{"id":928,"date":"2021-09-07T15:05:05","date_gmt":"2021-09-07T15:05:05","guid":{"rendered":"https:\/\/ausstellung.romaedu.org\/?p=650"},"modified":"2021-09-07T15:05:05","modified_gmt":"2021-09-07T15:05:05","slug":"fortgesetztes-unrecht-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/romahistory.com\/?p=928","title":{"rendered":"Fortgesetztes Unrecht"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"> <strong>Die 1941 eingerichtete &#8222;Reichszentrale zur Bek\u00e4mpfung<\/strong> <strong>des Zigeunerunwesens&#8220; wurde nach 1945 unter neuer Bezeichnung bis in die 1980er-Jahre weitergef\u00fchrt<\/strong>. <\/h2>\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ausstellung.romaedu.org\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/16-3.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-662\" width=\"839\" height=\"1087\"\/><\/figure>\n\n\n<p>Nach 1945 wurde diese &#8222;Zigeuner-Zentrale&#8220; nicht wirklich aufgel\u00f6st. Sie war ein fester Bestandteil der Polizeiarbeit auf Landes- und Bundesebene.<\/p>\n\n\n<p>So wurden Genealogien (Familienstammb\u00e4ume) durch die Polizei, wie von den Nazis weitergef\u00fchrt. Babys wurden bis in die 80er Jahre direkt nach der Geburt Fu\u00dfabdr\u00fccke abgenommen. Jede Geburt, Taufe, Hochzeit und Tod wurde von der Polizei flei\u00dfig eingepflegt. Hier zeigt sich die Pr\u00e4gung mit Antiziganismus Typ II, der die Kriminalisierung der Roma und Sinti in die K\u00f6pfe der Deutschen einpflanzte. Die Existenz der &#8222;Landfahrer-Zentrale&#8220; war der Hauptgrund f\u00fcr die Gr\u00fcndung der Roma- und Sinti-B\u00fcrgerrechtsbewegung in den 80er Jahren.<\/p>\n\n\n<p>Es musste erst eine neue Generation der Roma und Sinti heranwachsen, damit der Mut entstehen konnte, um f\u00fcr die eigenen Rechte zu demonstrieren. Die Roma und Sinti schafften es, dass diese Zentrale aufgel\u00f6st und die Unterlagen an den sich gerade gegr\u00fcndeten Zentralrat deutscher Sinti und Roma \u00fcbergeben wurde. Ab 1948 wurde in Deutschland systematisch wieder eine funktionierende &#8222;Zigeunerdienststelle&#8220; aufgebaut. Um sie \u201egrundgesetzfest&#8220; zu machen, bekam sie die Bezeichnung Landfahrerzentrale.<\/p>\n\n\n<p><strong>Zu ihren Aufgaben wird vermerkt: <\/strong><\/p>\n\n\n<p><strong>1) Durchf\u00fchrung von Personenstandsfeststellungsverfahren, <\/strong><\/p>\n\n\n<p><strong>2) F\u00fchren folgender Karteien:<\/strong><\/p>\n\n\n<p><strong>a) Personenkartei, <\/strong><\/p>\n\n\n<p><strong>b) Lichtbildkartei, <\/strong><\/p>\n\n\n<p><strong>c) &#8222;Zigeunernamenkartei&#8220;,<\/strong><\/p>\n\n\n<p><strong>d) Merkmalskartei, <\/strong><\/p>\n\n\n<p><strong>e) Kraftfahrzeugkartei, <\/strong><\/p>\n\n\n<p><strong>3) F\u00fchren von Personen Familien-Akten, <\/strong><\/p>\n\n\n<p><strong>4) Zusammenarbeit mit anderen Beh\u00f6rden, <\/strong><\/p>\n\n\n<p><strong>5) Fahndung nach gesuchten Landfahrern, <\/strong><\/p>\n\n\n<p><strong>6) Kontrolle der Wohnwagenpl\u00e4tz<\/strong><\/p>\n\n\n<p>Bis zum Jahre 1970 arbeitete die ehemalige Reichszentrale zur Bek\u00e4mpfung des &#8222;Zigeunerunwesens&#8220;, die nach dem Kriege in &#8222;Landfahrerzentrale&#8220; umgetauft worden war, offiziell als zust\u00e4ndige Beh\u00f6rde und \u00dcberwachungsinstitution f\u00fcr Zigeunerfragen. Ab 1970 wurde diese Arbeit dezentralisiert. Unter anderen \u00fcbernahm die Hamburger Landfahrerdienststelle eine Schl\u00fcsselrolle in der \u201ebundesdeutschen Bek\u00e4mpfung des &#8222;Zigeunerunwesens&#8220;&#8220;. Bezeichnend f\u00fcr diese Intentionen einer Gesamterfassung von Sinti und Roma war die unbeschr\u00e4nkte Pragmatik, die alle m\u00f6glichen Informationen \u00fcber &#8222;Zigeuner&#8220; zu erfassen bestrebt ist. Neben den Namen und Lichtbildkarteien wurden in so genannten Merkmalskarteien u. a. die KZ- Nummern erfasst, die den Sinti und Roma in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern auf die Unterarme, den Kleinkindern auf die Oberschenkel, eint\u00e4towiert worden waren.<\/p>\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/amzn.to\/3h49xVh\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ausstellung.romaedu.org\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/3-amazon.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-415\" width=\"838\" height=\"866\"\/><\/a><figcaption><a href=\"https:\/\/amzn.to\/3h49xVh\">https:\/\/amzn.to\/3h49xVh<\/a><\/figcaption><\/figure>\n\n\n<p><\/p>\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die 1941 eingerichtete &#8222;Reichszentrale zur Bek\u00e4mpfung des Zigeunerunwesens&#8220; wurde nach 1945 unter neuer Bezeichnung bis in die 1980er-Jahre weitergef\u00fchrt. 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