{"id":298,"date":"2020-10-14T17:28:42","date_gmt":"2020-10-14T17:28:42","guid":{"rendered":"https:\/\/romahistory.com\/?page_id=298"},"modified":"2020-10-14T17:28:42","modified_gmt":"2020-10-14T17:28:42","slug":"zwischen-vertreibung-und-sesshaftmachung","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/romahistory.com\/?page_id=298","title":{"rendered":"Zwischen Vertreibung und Sesshaftmachung"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Familien der Roma wurden zwischen den F\u00fcrtstent\u00fcmern, den Gro\u00dfgrundbesitzern und den Kirchen in gesamten Balkangebiet &#8211; Griechenland, Makedonien, Rum\u00e4nien, Transsylvanien, Moldawien, Serbien und der Wallachei &#8211; aufgeteilt. Jeder, der Land besa\u00df, hatte auch Roma-Sklaven. So kamen Anfang des f\u00fcnfzehnten Jahrhunderts geflohene Roma-Sklaven nach Mitteleuropa, wenn man so will, die ersten Asylbewerber, die aus Osteuropa in den Westen fl\u00fcchteten. Schon damals begegnete man ihnen mit Misstrauen. Sie wurden zum Freiwild erkl\u00e4rt.: In Dekreten rief man die Bev\u00f6llkerung dazu auf, sie zu jagen und zu t\u00f6ten. Jahrhundertelang wurden sie zur Flucht getrieben, zur Fluchtwanderung.Man verweigerte ihnen das Niederlassungsrecht und erlaubte ihnen nicht, regelm\u00e4\u00dfigen beruflichen T\u00e4tigkeiten nachzugehen. So entstand das Klischee vom &#8222;Wandervolk&#8220;, das in Wirklichkeit ein Mythos ist. Denn es waren nicht die Roma, die eine Tradition des Unherziehens mitbrachten, vielmehr waren es die ans\u00e4ssige Bev\u00f6lkerung und die Beh\u00f6rden, die sie immer wieder zur Flucht trieben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zwischen Vertreibung und &#8222;Sesshaftmachung&#8220;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Trotz intensiver Verfolgungen blieben kleine Gruppen von Fl\u00fcchtlingen in den einzelnen Regionen Westeuropas. Da sie an vielen Orten nicht aufgenommen wurden, aber \u00fcber keinen anderen Zufluchtsort verr\u00fcgten, mussten sich viele in den W\u00e4ldern verstecken und als reisende H\u00e4ndler und Handwerker ihr Brot verdienen. So wurden die Zufluchtsgebiete f\u00fcr die einzelnen Gruppen im Laufe der, Zeit doch zur Heimat, es bildeten sich verschiedene Bev\u00f6lkerungen von Nachfahren geflohener Roma-Sklaven in den einzelnen L\u00e4ndern und Regionen Europas, wie die &#8222;Manush&#8220; in Frankreich, die &#8222;Gitanos&#8220; in Spanien oder die &#8222;Sinti&#8220; in den deutschsprachigen L\u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Politik der Regierungen ihnen gegen\u00fcber blieb lange von Widerspr\u00fcchlichkeiten gepr\u00e4gt: Auf der einen Seite gab es immer wieder Erlasse, die den Sinti und den anderen Gruppen den Zuzug in St\u00e4dte und Gemeinden verboten. Auf der anderen Seite kritisierten die Beh\u00f6rden die &#8222;nomadisierende Lebensweise&#8220;, zu der diese Erlasse die ganze Volksgruppe erst, zwangen, und riefen dazu auf, die &#8222;Zigeuner sesshaft zu machen&#8220;. Zu den ber\u00fcchtigten Ma\u00dfnahmen geh\u00f6rten die Verordnungen der Kaiserin Maria Theresia von \u00d6sterreich und Ungarn in der zweiten H\u00e4lfte des 18. Jahrhunderts. F\u00fcr die Kaiserin bedeutete &#8222;Sesshaftmachung&#8220; nicht allein die Gew\u00e4hrung eines Niederlassungsrechts. Sie verbot den Roma in Ungarn, ihre Sprache zu sprechen, erlaubte nur wenige Eheschlie\u00dfungen unter Roma und befahl, Romakinder zwangsweise von ihren Eltern zu trennen, um sie ungarischen Eltern zur Adoption zu geben.Ziel dieser Ma\u00dfnahmen war es, die Roma als eigenst\u00e4ndige Gruppe zwangsweise zu assimilieren.In vielen Regionen Deutschlands wurde Maria Theresias &#8222;Zigeunerpolitik&#8220; im 18. und im 19. Jahrhundert kopiert. F\u00fcr die Roma bedeutete dies, dass jeder Niederlassungsversuch nunmehr mit der Gefahr verbunden war, sich von ihren Kindern trennen zu m\u00fcssen, ihre Sprache und Fanlilienstrukturen aufgeben zu m\u00fcssen.Die Nachfahren derjenigen, die vor der Leibeigenschaft gefl\u00fcchtet waren, fanden keine Ruhe. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p>Das Wort Zigeuner ist eine alt\u00fcrkische Bezeichnung &#8222;tschigan&#8220;:&#8220;Arme Leute&#8220;, &#8222;Habenichts&#8220;. Daraus wurde in den europ\u00e4ischen Sprachen &#8222;Tsigan&#8220;, auf Deutsch: &#8222;Zigeuner&#8220;<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Familien der Roma wurden zwischen den F\u00fcrtstent\u00fcmern, den Gro\u00dfgrundbesitzern und den Kirchen in gesamten Balkangebiet &#8211; Griechenland, Makedonien, Rum\u00e4nien, Transsylvanien, Moldawien, Serbien und der Wallachei &#8211; aufgeteilt. Jeder, der Land besa\u00df, hatte auch Roma-Sklaven. 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