3.3. Roma und Sinti in Hamburg während des Nationalsozialismus

Der Druck auf die Sinti und Roma in Hamburg wuchs nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten. Am 8. April 1935 wurde in Hamburg ein einheitliches Vorgehen bei der "Unterstützung" von Zigeunern vereinbart. Besondere Maßstäbe wurden für die Fürsorge - die damalige Sozialhilfe - von Zigeunern gesetzt. Wohnungen sollten an Zigeuner nicht vermittelt werden und die Gewerbepolizei wurde angewiesen, ihnen keine Gewerbescheine zu erteilen. Alle Zigeuner, die Unterstützungsempfänger waren, mussten fünf Tage in der Woche "Pflichtarbeit" leisten, für die, die Erwachsenen 5,- Mark, die Kinder 2,- Mark in der Woche bekamen.

Alle besonderen Formen der Unterstützung - die Reichswochenbeihilfe, die Reichsbeihilfe für kinderreiche Familien. Kleidungs- Sachbeihilfe. u.a. - wurden "für Zigeuner aus grundsätzlichen Erwägungen heraus abgelehnt".
Schon 1937 entstand die Idee, alle in Hamburg lebenden Sinti und Roma zwangsweise in einem Sammellager zusammenzufassen. Am 4. November 1937 schreibt der Oberbürgermeister von Wandsbek:
"... ob es nicht zweckmäßig wäre, wenn die sämtlichen Zigeunerfamilien, die sich in Groß-Hamburg befinden, in irgendein größeres gemeinsames Lager, welches möglichst weit von den übrigen Wohngebieten liegen müsste, gebracht werden können".

Ein Jahr davor hatte in Berlin die "Forschungsstelle" Robert Ritters ihre Arbeit aufgenommen. Im Dezember 1937 erging vom Reichsminister des Innern der so genannte "Runderlass zur vorbeugenden Verbrechensbekämpfung durch die Polizei". Dieser Erlass sah vor, jeden in Vorbeugehaft zu nehmen, "der durch sein asoziales Verhalten die Allgemeinheit gefährdet". Weiter bestimmt der Erlass, dass "die Polizeiliche vorbeugehaft in Auswertung der bisherigen Erfahrung und der kriminalbiologischen Forschung gewonnen Erkenntnisse zu erweitern ist". Der Erlass ebnete den Weg für die willkürliche Verhaftung von Roma und Sinti und für ihre Deportation in Konzentrationslager, wo sie der "Rassenforschung" Ritters und seiner Mitarbeiter zur Verfügung gestellt werden sollten.

Während die Polizei entsprechend dem Erlass mit der Verhaftung von Roma begann, wurden bei der Hamburger Sozialbehörde Pläne für ein Sammellager für Roma und Sinti diskutiert. Erst am 22. September 1939 beschließt jedoch der Hamburger Senat endgültig, ein "Zigeunerlager" in Billstedt-Ojendorf herzurichten. Mit den Arbeiten wird im Oktober 1939 begonnen, doch nach wenigen Tagen werden sie auf Anweisung des Polizeioberregierungsrates Bierkamp wieder eingestellt. Am 20. Oktober 1939 schreibt er:
"Gestern ist ein Schnellbrief des SS-Sicherheitsamtes eingegangen, wonach sich die gesamten Zigeuner am 25., 26. und 27.10.1939 in ganz Deutschland zu melden haben. Sämtliche Zigeuner sollen nach dem Osten abtransportiert werden. Dieser Berliner Erlass hat die Sachlage völlig verändert".

Der Gedenktag, zur ersten Deportation von Roma und Sinti in die Vernichtungslager des Nationalsozialismus.

16. Mai jedes Jahr in Nöldeckestrasse vor der Gedenktafel !
Himmler erließ am 27.04.1940 einen Schnellbrief, in dem die „Umsiedlung der Zigeuner“ befohlen wurde.
Diese Aufforderung ging an die Polizeileitstellen der Städte: Hamburg, Bremen, Hannover, Düsseldorf, Köln, Frankfurt a.M. und Stuttgart.

Am 16. Mai 1940 wurde dieser Befehl umgesetzt. Mehrere hundert Hamburger Roma und Sinti wurden, von dem Sammelpunkt der Polizeistation in der Nöldekestr., Hamburg - Harburg, in die Vernichtungslager der Nationalsozialisten deportiert.
Die erste Station der Deportation war der Fruchtschuppen an der Baakenbrücke im Hamburger Hafen, heute Ecke Kirchenpauerstrasse/Baakenwerder, der Fruchtschuppen steht heute nicht mehr. Die Roma und Sinti warteten hier 5 Tage, nachdem sie vor der Polizeiwache Nöldekestrasse zusammengetrieben und dann mit Bussen in den Fruchtschuppen, an der Baakenbrücke, gefahren wurden.
In dem Fruchtschuppen wurde das provisorische Sammellager für alle norddeutschen Roma und Sinti eingerichtet, bevor sie nach Polen deportiert wurden.

Herr Gottfried Weiß erinnert sich:

„Der ganze Platz wurde von den SS-Männern, Gestapoleuten und Polizisten umzingelt, und wir wurden morgens um 4.00 Uhr aus den Betten geholt. Uns wurde erzählt, dass wir umgesiedelt werden, wir sollten nichts mitnehmen, und wir durften nichts mitnehmen. Die sagten uns, dass wir dort alles vorfänden und nichts mitzunehmen brauchten. Die Erwachsenen ahnten nichts Gutes und sagten: 'Lasst uns mal das Notwendigste für die Kinder mitnehmen."

16.05.1940 gegen 4 Uhr morgens, Platz an der Wasmerstrasse in Harburg

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