3.5. Unter Hitler als "Zigeuner" verfolgt und inhaftiert

Unter Hitler als "Zigeuner" verfolgt und inhaftiert
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Die Geschichte der Familie Weiß durch die Arbeits- und Vernichtungslager des NS- Regimes.

Am 20.05.1940 wurden 551 Hamburger und weitere 359 norddeutsche Sinti in Zügen, ohne Sanitäranlagen und ohne Verpflegung, nach Polen deportiert. Die Fahrt dauerte drei lange Tage, bis die Menschen in Belzek ankamen.
Dort wurden Sie dazu gezwungen Arbeits-, Sammel- und Vernichtungslager zu bauen.
Um die Roma und Sinti während des Transportes ruhig zu halten, wurde immer wieder von „Umsiedlung“ gesprochen und jeder Familie ein Haus und Land in Polen versprochen.
Die Roma und Sinti hatten nichts außer der wenigen Kleidung am Leib. Das gesamte Eigentum der Roma und Sinti wurde von den Nazis konfisziert. In den ersten zwei Wochen starben 75 Kinder an Erschöpfung oder Epidemien.
Herr Gottfried Weiß erinnert sich:
"Einmal wurde uns Wasser gebracht und ein Sinto neben mir wurde gegen einen Wachmann geschubst. Dieser drehte sich um, nahm seine Pistole und schoss dem Gefangenen in den Bauch. Der Getroffene fasste sich an den Bauch, kurz danach kam ein anderer SS-Mann und sagte: 'Hast du den eben angeschossen? Kannst du nicht richtig schießen? Ich zeig dir mal, wie das geht!' Dann gab er ihm noch zwei Genickschüsse. Der Mann hatte sieben Kinder und wollte nur ein bisschen Wasser für sie holen. Deshalb musste er sterben!"

Vernichtungslager Belzek
Die Familie Weiß hatte jedoch Glück, bevor das Lager im Winter 1941/42 zu einem Vernichtungslager ausgebaut wurde, verlegte die SS die Roma und Sinti nach Krychow bei Hansk. Hier musste Herr Weiß ansehen wie Kinder, die an Bauchtyphus litten von Wachleuten in der Krankenstation in ihren Betten erschossen wurden.
Krychow wurde im Februar 1941 geschlossen und die Roma und Sinti nach Siedlce verlegt. Erschießungen waren an der Tagesordnung. Einmal musste Herr Gottfried Weiß zusehen, wie, die SS, Roma und Sinti Elternpaare hinrichteten und dann die Kinder mit den Köpfen gegen die Wände schlugen, bis die Kinder tot waren. Tag täglich, herrschte die Angst unter den Menschen, ob Sie den Abend noch erleben würden.
Die nächste Station des Leidensweges war das Warschauer Getto, bis zu einer halben Million Roma, Sinti, Juden und politische Gefangene lebten dort auf engstem Raum. Alle Bewohner mussten Zeichen tragen, die Juden den Davidstern und wir ein rotes „Z".
Zum ersten Mal seit dem 16.05.1940 wurde hier die Familie auseinander gerissen.
Das Leben im Warschauer Getto forderte das Leben des Bruders Helmut, der Schwester Waltraut und seines kleinen Neffen Robert, denen dieses Buch auch gewidmet ist. Mögen Sie endlich mit Ihrem Bruder und Onkel, Gottfried „Friedel" Weiß, in Frieden ruhen und Ihr Leiden nie vergessen werden, damit so etwas in Zukunf nie wieder jemanden zustößen kann.

Jährlich findet am 16 Mai, vor der Polizeiwache in der Nöldekestr, Hamburg-Harburg eine Gedenkveranstaltung statt. (Rot Schwarz umrandet)

Kurz bevor das Warschauer Getto im Mai 1943 „liquidiert wurde", konnte die Familie Weiß flüchten. Kurze Zeit später wurde die Familie von einer Polizeitruppe erwischt. Durch den Besitz der deutschen Sprache gelang es der Familie die Polizisten davon abzuhalten, sie zu erschießen - dieses Schicksal erlitten zehntausende Roma und Sinti in den Wäldern Polens - und sie stattdessen in einem Lager zu inhaftieren. So kamen sie nach Bergen-Belsen.
1944 begannen die Deutschen, Tausende von Häftlingen nach Westen zu verfrachten. Die Russen rückten näher und näher. Bergen-Belsen war ein Albtraum. Mehr Leichen als Lebende, fast nichts zu essen, so gab es Kannibalismus. In den folgenden Monaten spitzte sich die Lage zunehmend zu. Immer mehr Transporte aus den Ostgebieten kamen an, weil die russische Armee vorrückte. Von Januar bis April 1945 starben mindestens 35.000 Menschen, verschiedener ethnischer Gruppen und Religionen. Die meisten starben an Erschöpfung, Unterernährung, Epidemien und den Seuchen.

Im März wurden die Leichen meterhoch aufgetürmt und mit Diesel übergossen und angezündet, aber die Forstverwaltung protestierte. Durch Brandbestimmung wurde das Verbrennen von Leichen verboten. Seitdem stapelten sich die Leichen.

Herr Gottfried Weiß erinnert sich:
„Als wir morgens aufwachten, lagen bestimmt in einer Baracke wieder zehn Tote. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Menschen in der Umgebung diesen Gestank nicht gerochen haben und nehme ihnen nicht ab, dass sie von dem KZ nichts gewusst haben. Der Gestank war nicht auszuhalten. Diesen komischen Geruch haben wir noch monatelang in den Nasen gehabt.“

Bergen-Belsen
Am 15 April 1945 wurde das Lager von den Engländern befreit. Sofort suchte Gottfried Weiß nach seinen Eltern, seiner Schwester Maria und seinem Bruder Heinrich. Umso größer war die Freude, als sie sich fanden, er hatte die Suche schon fast aufgegeben. Die Familie war wieder vereint, nahe dem Verhungern und der Erschöpfung, aber sie hatten überlebt.

Herr Gottfried Weiß erinnert sich:
„Viele hatten unbändigen Hunger und aßen soviel, wie sie konnten. Sie starben, weil der Magen das nicht vertragen konnte. Einige waren schlauer und vorsichtiger, sie aßen langsam und nicht so viel auf einmal."

Bergen-Belsen
Die britischen Truppen standen vor dem Problem 60.000 Menschen zu verpflegen und auch medizinisch zu versogen, hinzu kam das Problem der Seuchen und Epidemien. So mussten sie noch Wochen in Bergen-Belsen wegen der Seuchengefahr verbringen. Nachdem das Lager aufgelöst wurde, wurden alle Baracken wegen Seuchengefahr niedergebrannt.

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